Erst versagen, dann die eigenen Kunden schikanieren
Stellen Sie sich einmal vor, eine Gesellschaft würde mit der Bekanntgabe der Prämienerhöhung so lange zuwarten, bis die Kündigungsfrist genau in jene Zeit fällt, in welcher es technisch praktisch unmöglich ist, einen Wechsel innerhalb von vier Wochen durchzupeitschen: Sei es, weil im Endjahresgeschäft die Antragsprüfer eh überlastet und wegen der Weihnachtsfeiertage vorzeitig geschlossen sind. Stellen Sie sich vor, sie könnten die Kündigungsfrist nicht nutzen, weil keine Post verteilt wird und die Gesellschaft auf Originalbelegen besteht. Stellen Sie sich vor, eine Gesellschaft würde – natürlich unabsichtlich – in Ihrer Kommunikation den Eindruck erwecken, es bestehe gar kein Sonderkündigungsrecht und die Kündigung müsste vorzeitig eintreffen, weil die eigenen Büros geschlossen seien. Stellen Sie sich vor, sie wären bei der Central versichert.
Tatsächlich hatte die Central 2011 die berechtigte Befürchtung, ihre Mitglieder könnten sie gleich in Scharen verlassen, weil der Vorstand die Gesellschaft mit ihrer Billigprämienstrategie beinahe an die Wand gefahren hat und mächtige Prämienerhöhung angekündigt wurden. Tja, wer mit billigen Prämien lockt, muss sich nicht wundern, wenn die Leute auch billige Prämien erwarten. Für Beitragsexplosionen haben Central-Mitglieder deshalb eher weniger Verständnis ...
Ohne Zweifel: Der Versicherungsbestand – besonders der attraktive - ist extrem gefährdet. Nicht nur die massiven Prämiensteigerungen sind dafür verantwortlich, sondern auch diese fragwürdige Bestandssicherungsaktion zum Jahresende. Aber vielleicht macht sich die Führung der Central bezüglich Image eh keine Gedanken, denn zukünftig sollen Neuverträge wie man hört exklusiv über ein der großen deutschen Drückerkolonnen vertrieben werden.
Na denn. Bei uns sieht die Central so oder so die Rote Karte für ihr Verhalten. Wir empfehlen keine Gesellschaften, welche ihre Mitglieder nicht ernst nimmt und deren Rechte großzügig auslegt. Wer bei solchen Gelegenheiten bereits gegen die eigene Kundschaft arbeitet, wird im Schadenfall kaum großzügiger agieren.
Gönnen Sie sich gute Leistung – zum fairen Preis!
Ganz ehrlich ist diese Aussage allerdings nicht. Billigheimer wie die Central haben wir noch nie empfohlen, da wir generell Zweifel an deren Geschäftsmodell haben. Wir bevorzugen Gesellschaften, welche langfristig denken und ihren Versicherten auch im hohen Alter noch Prämien anbieten können, welche zahlbar sind. Das rasche Öffnen und Schließen von Tarifen ist dazu nicht geeignet.
Vor allem aber sind wir der Meinung, dass man die PKV nicht mit billigen Prämien, sondern mit guten Leistungen in Verbindung bringen sollte. Leistungen, welche man gerade dann am meisten braucht, wenn den Billigheimern die Puste ausgeht und die Prämien für viele Versicherte unerschwinglich werden. Wir bevorzugen Komforttarife, welche mit Sicherheit gute Leistungen erbringen, sauber kalkuliert wurden und auch dann noch mit Leben erfüllt sind, wenn der medizinische Bedarf der Versicherten steigt. Diese Tarife sind naturgemäß nicht die billigsten. Trotzdem dürften die Mitglieder etwa des Deutschen Rings mit Ihrer Gesellschaft deutlich glücklicher sein, wie die Billigheimer-Opfer der Central. Gut möglich, dass sie am Ende ihrer Zeit sogar weniger Prämie bezahlt haben.
Daniel S. Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
www.twc-consulting.de
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